Aus der Realität
Ein Bonuskapitel, das nicht im Buch steht
Es gibt so vieles, was Menschen nicht glauben können, wenn sie es nicht selbst erlebt haben. Aber in der Realität erlebt man eben solche Geschichten, die nicht jedermann ebenso erfahren kann. Durch die Nacherzählung erhalten aber diese Erlebnisse ein neues Gesicht, eine neue Form und sollten jeden zum Nachdenken anregen. Und die übliche Meinung: Uns kann das nicht passieren? Das haben sich die Betroffenen auch alle gedacht! Jeder vertrat die Kernaussage, es wird schon besser werden unter einer neuen Führung. Und am Ende? Nichts ist besser geworden, nur das Gegenteil ist eingetroffen. Und so leben heute viele Menschen unter einem Diktator, einem Autokraten oder einem Kriegsverbrecher und müssen zusehen, wie sehr sie in ihrer vorherigen Meinung falsch gelegen sind. Ach so! Ihnen passiert das sicher nicht?
Andere Länder?
In einem zivilisierten Land nahe Österreich befinden sich mehrere sehr bekannte Autohersteller. Diese Firmen verfügen natürlich auch über eine entsprechende Anzahl an Lagerflächen, wo die fabrikneuen Pkw bis zur Auslieferung an einen Händler gelagert werden. Bei Ermittlungen in Österreich wegen organisiertem Pkw-Diebstahl werden über ein Scheingeschäft mehrere namhafte Marken-Pkw der oberen Preisklasse „bestellt“. Diese sollen durch die Route über Österreich zu einem Empfänger im Nahen Osten gebracht werden. In Österreich wird die Lieferung natürlich abgefangen, die Boten festgenommen usw. Der übliche Werdegang also.
Bei den weiteren Erhebungen wird festgestellt, dass die sichergestellten Pkw laut Auswertung der FIN (Fahrzeugidentifikationsnummer) eigentlich noch auf der Halde im Erzeugerland stehen müssten. Also begibt man sich zum Gelände dieser Firma und befragt einige Personen, darunter auch die Sicherheitsleute, welche zur Absicherung des Geländes eingeteilt sind. Und nun bekommt man Aussagen zu hören, die einem kalt über den Rücken laufen lassen.
Wer zum Zeitpunkt, wann diese Pkw „geholt“ werden, nicht wegsieht, muss damit rechenen, dass seine Familienmitglieder drangsaliert werden. Oder: „Wenn ich nicht wegsehe, muss meine Tochter in der nächsten Woche auf den Strich gehen!“. Ähnliches hörte man auch von den Überstellern der Pkw, durchwegs normale Bürger ihres Landes, die keiner kriminellen Organisation angehörten. Sie wurden aber freundlich angewiesen, die Überstellungsfahrten zum nächsten Hafen in Italien um einen Hungerlohn durchzuführen.
Letztlich wurde auch festgestellt, dass die Korruption innerhalb des Behördenapparates dieses Landes bis in die allerhöchsten Kreise reichte und ganz oben so etwas wie die Russen-Mafia das Sagen hatte.
Und jetzt die Frage an die Damen und Herren unserer neuen Generation, die ja alles wissen und sich nichts gefallen lassen: Was hätten sie getan, wenn ihnen aufgetragen worden wäre, wegzusehen oder diese Fahrten durchzuführen?
Ach so, das gibt es bei uns nicht? Bisher nicht, liebe Leute. Denn während in den besagten Ländern diese Vorkommnisse bereits an der Tagesordnung sind, fallen diese oder ähnliche Vorwürfe bei uns noch in die Schachtel der Unglaubwürdigkeit. Aber in einem Land, wo Korruption und Mafiatum zum Alltag gehören, wären sie die Ersten, die sich rasch unterordnen würden. Nein, man kann noch weitergehen. Viele dieser durch jahrzehntelangen Wohlstand verweichlichten und teils degenerierten Generationen würden sich eher anbiedern, um dadurch eine bessere Stellung in dieser Gesellschaft zu erlangen. Denn gerade diese Generationen sind es, die einen starken Führer haben wollen und denen das, was danach kommt, im Augenblick der Entscheidung egal ist. Es sind immer die Schwächsten, die nach einem starken Führer rufen.
Das Rad der Zeit
Die Geschichte hat uns alle gelehrt, dass jedes Volk eine gewisse Zeit benötigt, um sich gegen eine Erduldung diverser Unzulänglichkeiten zur Wehr zu setzen. Bei vormals eher freien Staaten funktioniert das rascher, bei Staaten, die immer unter einer drakonischen Diktatur gestanden sind, kann es über mehrere Generationen oder sogar Jahrhunderte dauern, bis es zu einem Wechsel in der Führungsriege kommen kann. Der umgekehrte Weg, von einer Demokratie in eine Autokratie oder Diktatur, verläuft dafür umso schneller. Zwei oder drei Generationen reichen dafür meistens schon aus. Die älteren Generationen haben alles, was vorher war, zwar nicht erlebt, können aber davon berichten. Die ganz jungen Generationen aber wissen nichts mehr, von dem was gewesen ist und sind dazu noch von sich selbst so überzeugt, dass sie alle Warnungen einfach missachten. Und so haben Populisten nach weniger als einem Jahrhundert wieder die Chance, denselben Zirkus zu entfachen, der schon einmal dagewesen ist. Und so schließt sich wieder das Rad der Zeit.