Berichterstattung
Wie man Berichte lesen kann
Berichte aus Zeitungen, aber auch welche, die über Fernsehen, Wochenschauen oder das Internet gesendet oder gepostet werden, kann man immer auf mehrere Arten „lesen“ oder „hören“. Es ist die Art, wie der einzelne es haben möchte. Neigen Menschen dazu, ihre Meinung bestätigt zu bekommen, können auch aus eigentlich neutralen Berichten Berichte der Zustimmung werden. Nach dem Motto: Was man eben hören oder sehen möchte. Und so werden Berichte durch kleine oder größere Fehler zu etwas, was vom Verfasser eigentlich nicht geplant war. Rechte Anhänger neigen dazu, die gesamte Berichterstattung entweder zu manipulieren oder durch Fake-Darstellungen zu beeinflussen. Sie neigen durch ihren Wahn aber auch dazu, auf vorschnell falsch beurteilte Vorkommnisse hereinzufallen. Und dann stehen sie dumm da.
Quo vadis - Kronen Zeitung 2?
Bezug: Kronen-Zeitung Schlagzeile vom 13. April 2026 über ein "knappes" Wahlergebnis in Ungarn.
Liebe Redaktion der Kronen Zeitung. Die Schlagzeile vom 13.04. über eine „knappe“ Wahl in Ungarn täuscht ein entsprechend spannendes Ergebnis vor. Auch wenn dabei steht, dass das der Stand der Information von 20:30 Uhr gewesen sein soll, muss man feststellen, dass auch um diese Zeit bereits ersichtlich gewesen ist, dass der Herausforderer nicht nur knapp, sondern recht eindeutig schon voran gelegen ist. Das Endergebnis ist ja nun bekannt. Die Frage die sich stellt wäre, ob man nur einer falschen Einschätzung oder einem Wunschdenken erlegen ist. Letzteres würde den Verdacht aufkommen lassen, dass man die rechten Leser, wie so oft in den vergangenen Wochen, wieder einmal bei der Stange halten möchte.
Bei der Politik-Redaktion fällt aber schon auf, dass man sich den Themen ORF, Orbán-Wahl, EU-Hass und Trump in einer Art vorauseilendem Gehorsam immer nur zum Vorteil der rechten Seite hingegeben hat. Seitenweise ORF-Schelte, Leserbriefe mit Wünschen zum Wahlgewinn von Orbán und kein böses oder kritisches Wort zu einem Verrückten wie Trump und seiner Politik. Als Beispiel sei die Art des Leserbriefes vom 2. April auf Seite 37 angeführt. Wo sich ein EU-Hasser so richtig austoben konnte und dafür mehr als eine halbe Seite Platz bekommen hat.
Was ist los bei euch? Hat Strache es posthum geschafft, die Redaktion derart mit Rechtsdenkern zu unterwandern? Oder haltet ihr das noch für eine „unabhängige“ Berichterstattung?
Schon vergessen, dass Orbán zuletzt mehr als 80 % der Medien unter seiner Fuchtel hatte, welche mit EU-Geldern von seinen Bekannten und Verwandten erkauft worden sind? Oder ist das der Preis dafür, weiterhin in Österreich die auflagenstärkste Tageszeitung bleiben zu wollen, indem man viel Platz für Rechtspopulisten einräumt?
Liebe Leute! Ihr sitzt auf dem Ast, den ihr im Moment ansägt. Die „knappe“ Wahl hat gezeigt, dass man Autokraten irgendwann einmal satt hat, auch wenn es bei den Ungarn einige Jahre gedauert hat. Trump wird wohl seine destruktive Politik bei den nächsten Wahlen auch um die Ohren bekommen. Also erspart den Österreichern durch richtige Aufklärung in Sachen Rechtspopulismus einen Umweg über eine rechte Partei, die nach einiger Zeit wieder abgewählt wird. Unabhängige Berichterstattung heißt nämlich auch, über die Fehler beider Seiten in gleicher Weise zu berichten.
Quo vadis - Kronen Zeitung?
Bezug: Kronen-Zeitung vom 2. April 2026, Seite 37, Leserbriefe und weitere Leserbriefe vom 3. April 2026
Es gibt Tage, da muss man die Seite einer Zeitung fast zweimal lesen, um einen Umstand zu bemerken, der zwar von Beginn an offensichtlich war, aber vorerst beim Überfliegen der Zeilen unentdeckt geblieben ist. So war es auch vor einigen Tagen. Ein pro rechts, pro Orbán und kontra EU angesiedelter Leserbrief hatte eine dicke Überschrift, ein Bild von Orbán und mehr als eine halbe Seite an Platz eingeräumt bekommen. Gleich daneben ein pro „linkes“ Briefchen mit gerade einmal 5,5 x 4 cm! Na ja, der Meinungsfreiheit wurde Genüge getan, auch wenn der Vergleich nicht ganz fair ausgesehen hat.
Nehmen wir noch ein Beispiel an Leserbriefen. Jene, die sich in einer totalen Hatz gegen die hohen Gehälter der ORF-Angestellten richten. Auch so, die werden ja vom Volk bezahlt. Na und? Hier wird der Neidgedanke wieder komplett nach Oben gehoben und die Dümmsten der Dummen fallen wieder darauf herein.
Der Trend, Leserbriefe in gewisse Richtungen zu steuern, gehört eigentlich in die Sparte rechtspopulistischer Gepflogenheiten. Und als Redakteur oder Journalist lässt man sich gerne auf diese Art der seichten Manipulation ein, weil es Leser bringt.
Es ist das ewige Spiel, den ORF anzupatzen, die Rechten immer zu Wort kommen zu lassen und keine Aufklärung über die tatsächlichen Gegebenheiten zu betreiben. Und das alles gepaart mit einer ordentlichen Portion Präpotenz, sollte man es wagen, darüber Kritik zu äußern. Das scheinen die Ingredienzien der heutigen Berichterstattung zu sein. Natürlich ist es fad, einen Politiker zu loben oder die Gehälter der Moderatoren als in Ordnung darzustellen. Oder geht es um die Haushaltsabgabe, von der alles bezahlt werden muss!
Im Buch gibt es ein Kapitel mit dem Thema: Aus Mücken Elefanten machen. Eine der liebgewonnenen Praktiken der Rechten. Die Wichtigkeit der Themen Haushaltsabgabe oder ORF-Gehälter sind mit dem berühmten Fahrrad in China zu vergleichen. Wenn da eines umfällt …!
Aber für einen halb besoffenen und von der Haushaltsabgabe befreiten Rechtswähler reicht das immer. Denn vielleicht gehören sie zu den Ersten, die aus Langeweile sämtliche Pay-TV-Sender von der bezogenen Notstandshilfe freiwillig bezahlen, um tagsüber werbefrei Filme ansehen zu können. So werden mit der Zeit alle in die Arme der Bezahlsender getrieben. Oder haben sie Lust, bei jedem Krimi 40 Minuten Werbeeinschaltungen zu konsumieren? Nein, nicht jeder hat darauf Lust.
Ja, die Art der Berichterstattung hat schon was für sich. Denn so passiert in vielen „unabhängigen“ Tageszeitungen genau das, was viele Redakteure z. B. dem ORF vorwerfen: einseitige Berichterstattung. Kein Wort über einen Wegscheider, der offen Werbung für die Kickl-Partei betreibt und kein Wort über rechte Hasspostings in den sozialen Medien, welche vorrangig die Jugend mit Falschmeldungen überschwemmen. Aber auch keine Aufklärung oder Stellungnahmen zu Themen, die das erfordern würden, um eine Demokratie zu erhalten. Es wäre für viele Zeitungen an der Zeit, vom Revolverblattmodus in den Modus ernst zu nehmender Printmedien mit seriöser Berichterstattung zu wechseln. Zumindest so lange sie das noch können.
Vom Mord zur Notwehr
In Minneapolis, Minnesota, wird im Jänner ein Mann von ICE-Agenten niedergerungen und durch mehrere Schüsse in den Rücken getötet. Der gesamte Vorfall ist durch Videoaufnahmen von mehreren Zeugen glaubhaft und nachvollziehbar dokumentiert. Bereits nach zwei Stunden wird offiziell bekannt gegeben, dass der Mann in der Absicht, den ICE-Agenten den größtmöglichen Schaden zufügen zu wollen, gehandelt habe und die Erschießung in Notwehr erfolgt ist. Diese Darstellung hielt natürlich nicht dem Druck der Bevölkerung stand und wurde nach kurzer Zeit abgeschwächt. Plötzlich hieß es, dass weitere Untersuchungen dazu noch erforderlich wären.
Eine Woche später wird ein Video veröffentlicht, welches denselben Mann dabei zeigt, wie er bei einem ICE-SUV ein Rücklicht durch Fußtritte beschädigt. Sofort wird mit dem ersten Vorfall wieder ein Zusammenhang hergestellt und aus der Tötung wieder ein Akt der Notwehr. Und in den darauffolgenden Berichterstattungen wieder auch als solcher dargestellt.
Aus der Abfolge der Berichterstattungen kann nur herausgelesen werden:
Die erste Berichterstattung wurde bewusst für die Anhänger der rechten Szene gesendet. Die haben nun alles sofort geglaubt und sind gegen spätere mögliche Widerrufe immun.
Die zweite Berichterstattung erfolgte für die möglichen Zweifler der ersten Version und diente wieder nur der Vertuschung des eigentlichen Tatgeschehens, nämlich der Ermordung eines unschuldigen Menschen. Davon will man in der rechten Szene natürlich nichts hören.
Schlagzeilen
Schlagzeilen von Zeitungen übermitteln in wenigen Worten eine Handlung, eine Situation oder einen Missstand, der als „Aufhänger“ der jeweiligen Ausgabe zu dienen hat.
Nun werden Schlagzeilen aber von Menschen aufgenommen, die eine Meinung haben. Und lediglich ein einziges Wort kann zwischen Zustimmung und Ablehnung den Unterschied herstellen. Am Beispiel der Kronen-Zeitung vom 12. Jänner kann man das erkennen. Dabei handelt es sich um eine von der Regierung beschlossene Verschärfung des Asylrechts.
Nehmen wir also an, ein Wähler der rechten Szene liest die gedruckte Schlagzeile. Es denkt sich sofort, wie recht er immer hat. Denn die „Österreicher“ haben diese Änderung herbeigerufen, nicht die Regierung.
Wäre an dieser Stelle aber „Regierung“ gestanden, hätte der rechte Wähler den dahinter stehenden Inhalt vermutlich ignoriert, denn der passt nicht zu seiner vorgefassten Meinung. Der Wechselwähler hätte aber sowohl die Schlagzeile als auch den Inhalt gelesen und der Regierung die innerlich zu vergebenden Gutpunkte zukommen lassen. Einige Vorfälle dieser Art hätten vielleicht einen Rechtswähler wieder zum Überdenken seiner Einstellung gebracht.
Was bewirken also diese kleinen Unterschiede in den Schlagzeilen? Beim Eintrag „Regierung“ denkt man vielleicht: Die tun endlich was! Beim Eintrag „Österreicher“ denkt man in der rechten Szene nur: „Wir haben wieder einmal recht!“
Natürlich möchte sich eine Tageszeitung nicht bei der Regierung, sondern bei den Lesern beliebt machen. Aber mit derartigen Spielereien machen die Redaktionen sich selbst keinen Gefallen. Sie werden es später bemerken, wenn ihre Blätter in einer autokraten Regierung zensuriert werden. Es sind daher die vielen Kleinigkeiten, die guten Journalismus auszeichnen. Und man sollte nie aufhören, an die Zukunft zu denken.
Und selbst?
Haben Sie sich nicht selbst schon dabei überrascht, dass Sie auf eine Schlagzeile, einen Bericht oder Ähnliches hereingefallen sind? Durch eine voreilige Schlussfolgerung? Es geht wohl jedem einmal so, dass er sich von seiner eigenen Meinung verleiten lässt und rasch und unüberlegt auf einen Bericht reagiert. Aber man kann lernen, wertfrei an Dinge heranzugehen, welche plötzlich einen komplett anderen Inhalt bekommen.
Beachten Sie die- oder denjenigen, der Ihnen etwas erklären oder berichten möchte. Auch bei Interviews kann man gut beobachten, wie die oder der Angesprochene reagiert. Wer gerne wegsieht oder sein Gegenüber überhaupt ignoriert, hat sicher kein reines Gewissen. Im Gegensatz dazu fallen von sich überzeugte Menschen eher auch dadurch auf, dass sie ihren Worten und Gesten durch Näherrücken und strengem Blick Nachdruck verleihen wollen. Eine Geste der Autorität, die sie dem zeigen wollen, der sie anspricht. Auch solche Menschen haben es nicht so genau mit der Wahrheit. Es sind also die kleinen Zeichen des Alltags, die Ihnen helfen können, zwischen den Zeilen zu lesen oder dem Gehörten den entsprechenden Wahrheitsgehalt zukommen zu lassen.